Der Hintergrund
Wie Heise online berichtet, war der Gesetzentwurf zur Änderung des Jugendschutzgesetzes bezgl. “gewaltverherrlichender Spiele” am Donnerstag zur ersten Lesung im Bundestag.
Ziel ist es, den Gewaltbegriff in diesem Zusammenhang zu definieren und dadurch gewisse Spiele automatisch zu indizieren. Bisher war das nur bei “allein gewalt- und kriegsverherrlichenden” Spielen möglich. Mit dem neuen Gesetzesentwurf soll sich diese Beschränkung
jedoch massiv ausweiten. Es steht zu erwarten, dass der Großteil der Egoshooter, aber auch Spiele wie GTA die (wie Kritiker meinen sehr schwammigen) Kriterien erfüllen.
Dass Frau von der Leyen einige sehr “interessante” Einstellungen dazu hat, wie Moral, Gesetz und Jugend auszusehen und was sie zu lesen hat ist ja bereits bekannt. Die Kampagne zur Bekämpfung unliebsamer Computerspiele, die - und das sind sich offenbar die meisten Unionspolitiker auch ohne wissenschaftliche Grundlage einig - ist nötig, um die Verrohung und Gewaltbereitschaft der Jugend zu mindern. Aus Bayern kamen aus diesem Grund auch Rufe nach einen “Totalverbot von Killerspielen” (Beckstein).
Es scheint so, als ob diese Kampagne nach und nach erfolgreicher in Richtung Gesetzgebung rückt.
Warum bezeichne ich das als Zensur?
Wie ich auch in Gesprächen mit Freunden und Kommilitonen feststellte, haben sich nur wenige wirklich mal Gedanken darüber gemacht, was das eigentlich bedeutet. Einige waren der Überzeugung, dass es ja schliesslich nötig sei, damit es keine Amokläufe und sowas gäbe und das es ja kein richtiges Verbot sei.
Faktisch ist es jedoch so, dass eine Indizierung in sehr vielen Fällen dazu führt, dass solche Software nicht mehr für den deutschen Markt produziert wird bzw. aufgrund des Werbeverbotes und der umfangreichen Handelshemmnisse praktisch nicht zu bekommen ist.
Wenn die Tendenz dieses zunehmenden Jugendschutzes in dieser Form weitergeht, können wir uns auf ideologische Verbote unliebsamer Medien freuen.
Es ist eigentlich offensichtlich, dass die Regierung durch ihre Indizierungspraxis eine verdeckte Zensur betreibt, die alle Dinge, die nicht in das persönlich Weltbild passen, verbieten will. Dies findet leider meistens sehr unauffällig statt, in wenigen Fällen, wie z.B. dem Ferkelbuch wurde es besonders im Internet aber auch in der Presse öffentlich diskutiert.
Wirkung?
Im Gegenzug ist die tatsächliche Wirkung dieser Maßnahmen umstritten. Praktisch gibt es keinen Nachweis dafür, dass diese Spiele einen entscheidenden Einfluss auf Gewalttaten haben. Vielmehr sind wohl andere Faktoren deutlich wichtiger. Niemand leugnet sicherlich, dass Medien aller Art unsere Gefühle beeinflussen können. Eine einfach Kausalität zwischen Medien und Verbrechen ist allerdings abzulehnen. (weitere Informationen dazu)
“Granufink-Zensur” und “Rentnerpolitik”
Die Überschrift enthält Bezeichnungen, die ich bei Heise in den Kommentaren gefunden habe. Persönlich bin ich kein Freund dieser Polemik, sie enthält jedoch ein Fünkchen Wahrheit.

Es wird der EIndruck erweckt, als würde eine Politik stattfinden, in der man alles verbietet, das man nicht versteht. Ich würde mal die Vermutung äußern, dass nur ein winziger Bruchteil der Bundes- oder Landtagsabgeordneten selbst Computerspiele spielt oder zumindest mal gespielt hat. Der Großteil dürfte seine Jugend in einer Zeit verbracht haben, wo es sowas gar nicht gab und auch in fortgeschrittenem Alter kaum an Interesse gewonnen haben, diese Spiele zu spielen oder sich ernsthaft damit auseinander zu setzen.
Daher ist es wohl kein Wunder, dass (diese Tatsache sieht man sehr gut am Beispiel Günther Beckstein, CSU) das Geschrei mancher Politiker nach einem Verbot nur durch die groteske Unwissenheit und Uninformiertheit über das Thema übertroffen wird. Besonders deutlich macht das die undifferenzierte Verwendung des Begriffes “Killerspiele”, u.a. leider auch in den großen Medien. (Hinweis: “Mensch ärgere dich nicht” ist danach nämlich auch eins…)
Unendliche Geschichte
Ich will hier jetzt gar nicht das Rad neu erfinden. Andreas Müller (”DerAutor”) hat beim HPD bereits vor einiger Zeit eine vierteilige Serie zum Thema “Killerspiele” veröffentlicht.
Teil 1: Killerspiele: Was ist das?
Teil 2: Fantasie und Realität
Teil 3: Gefahren und Vorzüge virtueller Gewalt
Teil 4: Eine Frage des Respekts
Hier wird das Thema sehr differenziert aufgearbeitet und stellt für den interessierten Leser eine gute Zusammenfassung dar.
Ich würde mich über Kommentare zu dem Thema freuen.
[via HPD, Heise online, Stigma Videospiele]
[Bildquelle: HPD-online]