
Irrt die Physik?
29. Januar 2008Martin Lambeck: “Irrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik”
Im Oktober 2007 erhielt das ZDF den Dodo des Monats für sein Verhalten bezüglich eines Beitrags zum Thema “Die modernen Wunderheiler”, bei dem teils klare Kritik an alternativen Heilverfahren geübt wurde. Insbesondere die (oft sehr begrenzte) Qualifikation vieler Heilpraktiker wurde kritisch hinterfragt. Bereits vor Ausstrahlung der Sendung, die unter Leitung des Wissenschaftsredakteurs Joachim Bublath produziert wurde, kam es zu vergeblichen Versuchen der Heilpraktikerszene, eine Veröffentlichung zu verhindern.
Nachdem diese Versuche scheiterten, wurde das ZDF mit Briefen und Beschwerden bombardiert und im Internet wurde gegen den Sender mobil gemacht. Ähnliches passierte, als die Zeitschrift Ökotest sich mit der Thematik befasste. Die Brights berichteten unter dem Titel Der Fall Joachim Bublath – »Wer schreit hat Recht«.
Diese Ereignisse waren für mich Grund genug, mal etwas tiefer in die Materie einzusteigen. Natürlich fällt die Auswahl der Literatur nicht leicht. Ich habe mich, für “Martin Lambeck: Irrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik” entschieden.
Martin Lambeck ist Physiker, Professor an der TU Berlin sowie Mitglied des Wissenschaftsrates der Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP).
“Kurzbeschreibung
Viele Überzeugungen der alternativen Medizin und Esoterik stellen eine extreme Herausforderung der heutigen Wissenschaft dar. Wenn ihre zentralen Aussagen, insbesondere die der Homöopathie und der anthroposophischen Medizin, zutreffen, muß die heutige Physik in wichtigen Aspekten falsch oder doch zumindest grob unvollständig sein. Dies gilt um so mehr für streng esoterische Verfahren, wie z.B. die der Geistfernheilung oder des Pendelns. Martin Lambeck erläutert die wichtigsten Aspekte und Phänomene, aus denen sich das besondere Spannungsverhältnis von moderner Physik einerseits und alternativer Medizin und Esoterik andererseits speist, und beschreibt Möglichkeiten, wie der Streit vernünftig ausgetragen und entschieden werden könnte. Ein spannend-provokatives Buch über eine ebenso lange wie heftige Kontroverse, in der es keineswegs nur um wissenschaftliche Wahrheit, sondern auch um die Gültigkeit von Weltbildern geht.“
QUELLE: Klappentext des Buches
Lambeck stellt für den Leser als erstes die relevanten Grundlagen der Physik vor und formuliert bereits am Anfang klare Problemstellungen, die sich für den Bereich der Parawissenschaften ergeben. Die verschiedenen Themenbereiche beschäftigen sich dann im Detail mit den Grundprinzipien dieser Überzeugungen und stellen sie den heutigen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen gegenüber.
Dabei gliedert sich das Buch in folgende Abschnitte:
- Einleitung und Übersicht
- Aussagen zur Physik
- Erkenntnisgewinn durch Untersuchung von Paraphänomenen
- Homöopathie nach Hahnemann
- Homöopathieähnliche esoterische Verfahren
- Tests der Homöopathie, Politik und Krankenkassen
- Parapsychologie
- Erdstrahlen, Wünschelruten, Pendel und Feng Shui
- Alternative physikalisch-medizinische Verfahren
- Gedanken zur Politik, Forschungspolitik und Gesellschaft
- Anhang (Organisationen und Binominalformel)
- Anmerkungen und Literatur
An dieser Aufzählung ist schon zu erkennen, dass sehr umfangreich auf verschiedene Paraphänomene eingegangen wird, auch wenn klar sein muss, dass diese Liste nicht abschließend sein kann.
Neutral und Seriös
Selbst Anhänger der alternativmedizinschen Lehren werden sehr schnell merken, dass Lambeck nicht pauschal verteufelt. “Es kann nicht sein, was nicht sein darf.” Er geht sehr sachlich auf die Kontroverse Physik vs. Parawissenschaft ein. Gerade durch dieses Vorgehen entzieht er sich geschickt dem Vorwurf, rein aus ideologischen Gründen die genannten “Lehren” abzulehnen. *
Medizinische Fragestellungen
Ebenfalls ist festzuhalten, dass Lambeck sich selbst klare Grenzen setzt seine Aussagen ausschließlich auf die Physik bezogen sind. Medizinische Fragestellungen werden angesprochen, der Autor enthält sich aber weitgehend einem Urteil.
Auf der einen Seite trägt dieses Verhalten klar zur Seriosität des Buches bei, auf der anderen Seite könnte dem Leser jedoch die ein oder andere Frage auf den Nägeln brennen. Hier muss dann weitere Literatur zu Rate gezogen werden.
Fazit
Dieses Buch stellt für mich eine geeignete Übersicht über die Problematik der Parawissenschaften dar. Es ist auch für den naturwissenschaftlichen Laien verständlich geschrieben.
Wenn man sich ein umfassendes Urteil über die medizinische Anwendung, insbesondere über die Homöopathie bilden möchte, ist “Irrt die Physik” allerdings nur ein Einstieg.
* Selbstverständlich wird das viele Kritiker nicht daran hindern, ihm trotzdem seine Voreingenommenheit und ideologische Verblendung vor zu werfen.
Martin Lambeck: Irrt die Physik? Über Medizin und Esoterik
2. Auflage
Erschienen im Verlag C.H. Beck, ISBN 3-406-49469-2, 9,90 €





Den Zusammenhang verstehe ich nicht. Was hat Physik mit Wunderheilungungen, Homöopathie und Feng Shui zu tun? Das wäre ja etwa so, als würde man sich mit der Rohölgewinnung befassen, weil man die Funktionsweise eines Automobils studieren möchte. In Automobilen stecken definitiv auch Teile, die aus Rohöl gewonnen wurden. Sind Krankheiten physikalisch?
Ich gebe einmal etwas zu bedenken: Wieso sind Doppelblindversuche bei Medikamententests gesetzlich vorgeschrieben und wissenschaftlich anerkannt? Hat das physikalische Ursachen?
Ich verstehe deine Frage nicht ganz.
Ich halte deine Analogie für etwas kurz gegriffen. Krankheiten sind auch physikalisch. Und chemisch.
Warum sich die Physik nicht damit beschäftigen soll, ist mir rätselhaft. Sie ist eine der elementaren Wissenschaften, die sich mit den Dingen unserer Welt beschäftigt und dient als eine der Grundlagen der Medizin, Biologie und Pharmakologie.
Das schon. Physik soll sich befassen womit immer sie sich befassen will. Aber Wunderheilungen physikalish widerlegen zu wollen kommt doch wohl dem Versuch gleich, mit einem Blinden über Farben zu streiten. Weil ich etwas nicht sehen kann ist es nicht da? Weil ich den Radfahrer nicht gesehen habe, habe ich ihn auch nicht überfahren? Er ist also von allein gestorben?
Das Maximum, was Physik zum Thema Wunderheilung sagen kann ist, dass sie keine physikalischen Grundlagen erkennen kann.
Zu behaupten, dass es keine gibt, nur weil man keine sehen kann, ist bereits zu weit gegriffen. Ich habe kürzlich etwas sehr interessantes gehört, was mir auch sehr sympatisch ist:
“In der Physik geht man davon aus, dass alles, was man nicht widerlegen kann zwangsläufig gültig sein muss.”
Auf dieser Basis musste vor einiger Zeit auch Herr Hawkins zugeben, dass Zeitreisen möglich sein müssen. Mehr weiss die Physik nicht, denn es gibt keinen Beweis der dagegen spricht.
Meine Frage ist ganz einfach die:
Abgesehen davon, dass alles materielle vielleicht auch physikalisch ist, kann irgend jemand auch nur beweisen, dass Wunderheilungen physikalische Ursachen haben, die man messen können muss? Also URSACHEN, nicht Erscheinungen.
Wenn man einem Kind, dass Stuhlprobleme hat, ruhig über den Bauch streicht und ihm mit warmer Stimme sanft zuredet, kann es passieren, dass es den Darm auch ohne Medikamenteneinsatz entleeren kann. Ist das physikalisch? Ich glaube nicht, ich glaube, dass das eher eine Wunderheilung ist.
Das schon. Physik soll sich befassen womit immer sie sich befassen will. Aber Wunderheilungen physikalish widerlegen zu wollen kommt doch wohl dem Versuch gleich, mit einem Blinden über Farben zu streiten.
Wenn man davon ausgeht, dass es sich tatsächlich um Wunderheilungen handelt und sie per Definition von jeder empirischen Untersuchung schützen will, dann kann man das tun. Die Glaubwürdigkeit erhöht man damit aber nicht.
Weil ich etwas nicht sehen kann ist es nicht da? Weil ich den Radfahrer nicht gesehen habe, habe ich ihn auch nicht überfahren? Er ist also von allein gestorben?
Der Vergleich hinkt. Die Physik (und alle anderen Wissenschaften) gestehen doch prinzipiell ein, dass es viele Dinge gibt, die wir (noch?) nicht sehen und nachweisen können. Das hat aber mit dieser Sache nichts zu tun.
“In der Physik geht man davon aus, dass alles, was man nicht widerlegen kann zwangsläufig gültig sein muss.”
Ich weiß nicht, wo Du das gehört hast. Mit Wissenschaft hat das aber aus verschiedenen Gründen nichts zu tun. Dazu später mehr.
Auf dieser Basis musste vor einiger Zeit auch Herr Hawkins zugeben, dass Zeitreisen möglich sein müssen. Mehr weiss die Physik nicht, denn es gibt keinen Beweis der dagegen spricht.
Ich muss sagen, dass ich diese Verweise etwas komisch finde, aber prinzipiell hat vermutlich niemand Zeitreisen defaktor ausgeschlossen. Genausowenig, wie man Gott ausschliessen kann. Es gibt jedoch Gründe, die gegen diese Theorien sprechen bzw. es gibt keine guten Gründe, die dafür sprechen.
Abgesehen davon, dass alles materielle vielleicht auch physikalisch ist, kann irgend jemand auch nur beweisen, dass Wunderheilungen physikalische Ursachen haben, die man messen können muss? Also URSACHEN, nicht Erscheinungen.
Ich verstehe diesen Satz nicht. Sorry.
Fakt ist, dass bisher Dinge, die man auf den ersten Blick nicht erklären kann (”Wunder!”), irgendwann mit wissenschaftlichen Methoden erklärt wurden. Das könnte auch im Bereich der Homöopathie, usw. prinzipiell klappen. Zur Zeit scheitert es aber schon daran, das Phänomen “Heilung” in diesem Zusammenhang, auf wissenschaftlicher Basis festzustellen.
Wenn man einem Kind, dass Stuhlprobleme hat, ruhig über den Bauch streicht und ihm mit warmer Stimme sanft zuredet, kann es passieren, dass es den Darm auch ohne Medikamenteneinsatz entleeren kann. Ist das physikalisch? Ich glaube nicht, ich glaube, dass das eher eine Wunderheilung ist.
Du darfst das gerne glauben. Wenn Dir sowas grundsätzlich als Erklärung reicht: Bittesehr.
Ich behaupte, dass es viele Gründe dafür gibt, dass dieser Effekt eingetreten ist und keiner davon etwas mit einem Wunder zu tun hat.
Zur wissenschaftlichen Erkenntnisfindung:
Es gibt eine Sache, die nennt sich “Ockhams Rasiermesser”. Vielleich hast Du davon gehört. Auf Wikipedia gibts einen netten Artikel dazu.
Dein Einwand, dass man (i.S.v. Wissenschaft) Wunderheilung (die Homöopathie, usw. sieht sich allerdings nicht als solche!) und Wunder an sich nicht wissenschaftlich ergründen kann. Das mag für dich eine schöne Erklärung sein, bringt uns in der Erkenntnis aber kein Stück vorran. Somit ist das aus wissenschaftlicher Sicht unbrauchbar.
Ich glaube, aus dem Thema mache ich einen kleinen Artikel. Leider bin ich heute und morgen zeitlich noch sehr eingespannt, sodass das frühestens nächste Woche etwas wird.
Ich glaube wir verstehen und nicht.
(1) Wenn die Physik etwas nicht beweisen kann, kann sie es nicht beweisen. Das hat nichts damit zu tun, dass sie beweisen könnte, dass die Sache nicht geht. Um zu beweisen, dass etwas nicht geht, genügt es nicht, nicht beweisen zu können, dass es geht. Man muss dann beweisen, dass es nicht geht.
Der Beitrag “Physics of the Impossible”: http://www.cbc.ca/quirks/archives/07-08/mar22.html
(2) Das Beispiel mit dem Kind: Wie beweisst der Physiker, dass das (was wir sicher alle kennen) funktioniert? Ist die Physik die richtige Wissenschaft um biologische/psychologische/medizinische Effekte an lebenden Individuen zu erklären?
Das ist die Schlüsselfrage: Ist Physik die Wissenschaft, an der sich Homöopathie (und andere Heilverfahren) beweisen muss? Hat die Physik jemals irgend einen medizinischen, biologischen oder psychologischen Effekt bewiesen oder widerlegt? Wenn nicht, wieso gettraut sie sich dann an so schwierige Themen wie an Homöopathie, wenn sie nicht einmal die Wirkung von Aspirin belegen kann?
Kurz: Was soll diese Diskussion und besonders, was soll dises Buch?
Rufe ich den Bäcker um neue Fenster in mein Haus einsetzen zu lassen?
Dein Einwand, dass man (i.S.v. Wissenschaft) Wunderheilung (die Homöopathie, usw. sieht sich allerdings nicht als solche!) und Wunder an sich nicht wissenschaftlich ergründen kann. Das mag für dich eine schöne Erklärung sein, bringt uns in der Erkenntnis aber kein Stück vorran. Somit ist das aus wissenschaftlicher Sicht unbrauchbar.
Ich behaupte nicht, dass man Homöopathie nicht wissenschaftlich begründen kann, aber ich vermute, dass Du annimmst, dass Physik die Wissenschaft schlechthin ist. Dass Biologie, Chemie, Mathematik, ….. keine Wissenschaften sind.
Ich habe auch den Verdacht, dass der gute Martin Lambeck nicht weiss, dass die Wissenschaft, die sih mit dem Leben befasst Biologie heisst und die, die sich mit dem Heilen befasst Medizin.
Sollten Biologen die Entstehung des Universums untersuchen? Wissenschaft ist nicht Physik, sondern Physik ist eine Wissenschaft. Ich habe noch nicht gehört, dass Biologen ihre Erkenntnisse bei Physikern zur Bestätigung einreichen müssen um sie als wissenschaftlich bezeichnen zu dürfen.
Mein Einwand ist: Physik ist nicht die Wissenschaft, die medizinische Fragen beantwortet.
Und ich gehe davon aus, dass es ausser Physik noh andere Wissenschaften gibt.
Übrigens: Die Mathematiker glauben auch, dass ihre Wissenschaft die Grundlage aller anderen Wissenschaften ist. Damit sind sie vermutlich dichter bei der Wahrheit als die Physiker, denn Mathematische Verfahren werden in allen anderen Wissenschaften permanent und massiv verwendet. Wie steht sich die Physik bei diesem Vergleich?
Ich behaupte nicht, dass man Homöopathie nicht wissenschaftlich begründen kann, aber ich vermute, dass Du annimmst, dass Physik die Wissenschaft schlechthin ist. Dass Biologie, Chemie, Mathematik, ….. keine Wissenschaften sind.
Ich würde sagen, dass Du da auf dem Holzweg bist. Ich studieren nämlich nicht Physik sondern Biologie. Die Prinzipien der Erkenntnisgewinnung sind dabei aber die gleichen. Aus dem Grund ist der Einwand sehr merkwürdig.
Ich habe auch den Verdacht, dass der gute Martin Lambeck nicht weiss, dass die Wissenschaft, die sih mit dem Leben befasst Biologie heisst und die, die sich mit dem Heilen befasst Medizin.
Und ich habe den Verdacht, dass Du dich noch nie mit Wissenschaftstheorie beschäftigt hast.
Sollten Biologen die Entstehung des Universums untersuchen? Wissenschaft ist nicht Physik, sondern Physik ist eine Wissenschaft. Ich habe noch nicht gehört, dass Biologen ihre Erkenntnisse bei Physikern zur Bestätigung einreichen müssen um sie als wissenschaftlich bezeichnen zu dürfen.
q.e.d.
Die Biologie, genauso wie die Medizin und alle Bereiche, die sich mit naturwissenschaftlichen Dingen beschäftigen, haben eine gemeinsame Schnittmenge. In der Biologie ist es in erster Linie die Chemie und Physik. Letztere haben ebenfalls extrem viel gemeinsam. Man kann meist nur sehr schwer einen Schnitt setzen und sagen: “hier beginnt das und hier beginnt das”.
Und wie ich bereits schrieb: Die Arbeitsprinzipien sind die gleichen. Egal welche Naturwissenschaft man sich ansieht.
Mein Einwand ist: Physik ist nicht die Wissenschaft, die medizinische Fragen beantwortet.
Nein. Aber sie beantwortet (zum nicht unerheblichen Teil) in zusammenarbeit mit der Chemie die Frage nach den Grundprinzipien.
Übrigens: Die Mathematiker glauben auch, dass ihre Wissenschaft die Grundlage aller anderen Wissenschaften ist. Damit sind sie vermutlich dichter bei der Wahrheit als die Physiker, denn Mathematische Verfahren werden in allen anderen Wissenschaften permanent und massiv verwendet. Wie steht sich die Physik bei diesem Vergleich?
s.o.
(1) Wenn die Physik etwas nicht beweisen kann, kann sie es nicht beweisen. Das hat nichts damit zu tun, dass sie beweisen könnte, dass die Sache nicht geht. Um zu beweisen, dass etwas nicht geht, genügt es nicht, nicht beweisen zu können, dass es geht. Man muss dann beweisen, dass es nicht geht.
Nein. Muss man nicht. Das ist eben das Prinzip, dass ich mit Ockhams Rasiermesser meinte. Ich muss nicht Gott widerlegen, um ihn für extrem unwahrscheinlich (an der Grenze zu “nicht existent”) zu halten.
(2) Das Beispiel mit dem Kind: Wie beweisst der Physiker, dass das (was wir sicher alle kennen) funktioniert? Ist die Physik die richtige Wissenschaft um biologische/psychologische/medizinische Effekte an lebenden Individuen zu erklären?
Das muss er nicht beweisen. Vielmehr muss derjenige, der die Behauptung aufstellt, einen Beweis liefern.
Das ist die Schlüsselfrage: Ist Physik die Wissenschaft, an der sich Homöopathie (und andere Heilverfahren) beweisen muss?
Nein. Es ist aber EINE Wissenschaft. Und eine, die nicht unerheblich Grundlagen für viele andere liefert.
Hat die Physik jemals irgend einen medizinischen, biologischen oder psychologischen Effekt bewiesen oder widerlegt?
Was soll diese Frage?
Wenn nicht, wieso gettraut sie sich dann an so schwierige Themen wie an Homöopathie, wenn sie nicht einmal die Wirkung von Aspirin belegen kann?
Hä?
kurz: Was soll diese Diskussion und besonders, was soll dises Buch?
Kurz: Du hast die Rezension (und alles drumherum) nicht verstanden.
Kurz: Du hast die Rezension (und alles drumherum) nicht verstanden.
Wenn ihre zentralen Aussagen, insbesondere die der Homöopathie und der anthroposophischen Medizin, zutreffen, muß die heutige Physik in wichtigen Aspekten falsch oder doch zumindest grob unvollständig sein. …
Ich weiss nicht so genau, ob ich das falsch verstehe.
Vielleicht besteht Materie aus Atomen. Das weiss man nicht so genau, was damit zusammenhängt, dass man nicht so genau weiss, was Atome eigentlich sind. Aber man nennt es der Einfachheit halber einmal Atom. Was auch immer es ist.
Weil man nun einen Namen gefunden hat, für etwas, wovon man nicht wirklich weiss was es ist, nimmt man an, dass man berechnen kann, wie die Gesamtheit der Atome in einem Menschen, in der Art, wie sie sich miteinander verbinden und voneinander trennen (das ist Chemie, glaube ich) von etwas beeinflusst werden, was man nicht kennt und nicht messen kann?
Hat die Physik jemals irgend einen medizinischen, biologischen oder psychologischen Effekt bewiesen oder widerlegt?
Was soll diese Frage?
Das ist eine gute Frage! Hier liegt vermutlich ein Schlüsselproblem unserer Diskussion. Ein weiteres Zitat aus Deinem Beitrag:
Ebenfalls ist festzuhalten, dass Lambeck sich selbst klare Grenzen setzt seine Aussagen ausschließlich auf die Physik bezogen sind. Medizinische Fragestellungen werden angesprochen, der Autor enthält sich aber weitgehend einem Urteil.
Herr Lamber hält sich im Rahmen der Physik. Was kann er von dort aus von biologische, psychologischen und medizinischen Vorgängen sehen? Ich meine: Wenn er es genau nimmt, nichts! Seine Sicht ist leer weil er im falschen Rahmen operiert.
Er kann sich also nur an Begriffen festhalten. Nehmen wir die “Erdstrahlen”. Der aufgeschlossene Physiker würde gern wissen, was das ist. In seiner begrifflichen Welt kann der Erstrahlen weder messen noch sonst wie nachweisen. Die Frage ist aber nicht, ob es sie gibt, sondern was sie sind.
Wie bei den Atomen. Ich glaube, dass es Atome gibt, aber was sind sie?
Wird die Physik zur Parawissenschaft weil sie keinen Ahnung hat, was Atome sind?
Die meisten Atome haben den Vorteil einer zeitlichen und räumlichen Bestimmtheit, man kann also zu einer bestimmten Zeit einen bestimmten Ort untersuchen und findet dort das ominöse, nicht erklärbare Ding, das der Physiker Atom nennt.
Wohingegen Erdstrahlen möglicher Weise weder Strahlen sind, noch mit der Erde zusammen hängen. Vielleicht existieren sie gar nicht. Aber vielleicht kommt es darauf gar nicht an!
Vielleicht existieren Atome ja auch nicht, selbst darauf käme es nicht an. Atome wie Erdstrahlen sind Gedankenmodelle. Modelle, die eine Sache benennen, die man bisher noch nicht erklären kann. Das impliziert nicht, dass diesen Modellen tatsächlich eine Substanz gegenüber steht.
Das dumme an Erdstrahlen ist eben, dass sie sich der Weltsicht der Wissenschaft entziehen. Das kann zwei Ursachen haben. Entweder sie existieren nicht, oder die Sicht der Wissenschaft ist zu begrenzt. Vielleicht trifft beides zu und vielleicht entsteht dadurch gar kein Widerspruch.
Erdstrahlen existieren nicht und sie entziehen sich der Weltsicht der Wissenschaft? Möglich!
Es gibt andere Erscheinungen, die sich der Weltsicht der Wissenschaft entziehen, obwohl sie (zumindest für uns) real existieren: Das Klima zum Beispiel.
Das Klima ist einfach zu komplex für die Wissenschaft. Dennoch nennt man die, die sich mit Klimaforschung befassen, nicht Parawissenschaftler, dabei haben sie nichteinmal soviel in der Hand wie ein Wünschelrutengänger. Letzterer hat wenigstens eine Wünschelrute, an der er sich festhalten kann.
Nach “Ockhams Rasiermesser” sollte man sich definitiv nicht mit dem Klima befassen, denn es bedarf unfassbar vieler Entitäten um eine Theorie davon zu entwickeln. Ich meine das Wort -unfassbar- wörtlich. Im Rahmen unserer Existenz können wie die Anzahl von Entitäten, die man für eine Klimatheorie benötigt, nicht fassen/speichern/registrieren. Siehe Beitrag ‘Den Stron nicht wert’ in c’t 8/2008
Nun wirst Du argumentieren, dass die, die sich mit dem Klima befassen, wenigstens wissenschaftich arbeiten. Ich halte dagegen, das sie das nur können, weil Klimaforschung gesellschaftlich nicht als Parawissenschaft klassifiziert ist.
Einmal als Parawissenschaft eingestuft, bekommt man keine Forschungsgelder, keine öffentliche Anerkennung, kein festes Gehalt und entwickelet keine Produkte. Wer soll sich mit diesem Teil der Wissenschaft also ernsthaft befassen? Scharlatane natürlich, Geschäftsmacher, religiöse Fanatiker – Du weisst es selbst. Ernsthafte Forschung auf diesem Gebiet ist nicht möglich.
FengShui? Natürlich wirkt das. Die wissenschaftliche Frage kann nicht sein, wider die Erfahrung nachzuweisen, dass es nicht wirkt und auch nicht, sich mit den Begriffen der Protagonisten auseinander zu setzen und deren Modelle zu demontieren. Die Frage muss ein: Wie funktioniert das?
Aber FengShui ist unter Umständen fast so komplex wie das Klima! Ist es deshalb Unsinn?
Vor ca. 35 Jahren habe ich einmal eine wissenschaftliche Fernsehsendung gesehen, in der man gezeigt hat, wie man erfolglos versucht hat, heraus zu finden, wie es möglich ist, mit der Hand oder anderen Gliedmassen, Bretter, Steine und Metallstäber zu zerbrechen, ohne sich dabei zu verletzen.
Das Problem: Das Zerbrochene wurde vorher und hinterher wissenschaftlich untersucht. Es war nicht von der Hand zu weisen, dass es vorher ganz und hinterher zerbrochen war. Der wissenschaftliche Standpunkt damals war: Das sei irgendwie Betrug.
Der aktuelle wissenschaftliche Standpunkt (habe ich vor zwei Wochen in der Zeitung gelesen) ist: Man weiss nicht, wie das geht. Es gibt keine Erklärung dafür.
Mit Erdstrahlen, FengShui, Homöopathie hat es der Wissenschaftler viel einfacher. Deren Funktionieren kann man bestreiten, denn der Wirkungsnachweis ist nicht so direkt, so unausweichlich sichtbar, so unmittelbar erlebbar wie beim zertrümmern von Festkörpern.
Vor wenigen Jahren hat es in Deutschland eine offizielle Untersuchung gegeben, ob man Akupunktur von der Krankenversicherung bezahlen lassen sollte. Das Ergebnis der Untersuchung, das weisst Du vielleicht auch, war, dass Akupunktur bei den gleichen Kosten die gleiche Wirksamkeit zeigt wie das Alternativverfahren zur Behandlung chronischer Schmerzen mit (teilweise starken Dosen von) Medikamenten. Das hat dazu geführt, dass Akupunktur NICHT von den Kassen bezahlt wird. Akupunktur ist nämliche nicht wissenschaftlich. Während es wissenschaftlich ist, die Leber der Patienten mit Chemikalien zu zersetzen und ihren Körper zu runieren. Denn das letzteres beim Patienten passiert, ist wissenschaftlich bewiesen. Welche Nebenwirkungen Akupunktur hat, weiss die westliche Wissenschaft nicht. Was auch daran liegt, dass die westlichen Wissensschaftler die betreffende wissenschaftliche Literatur aus letzten 2200 Jahren infolge mangelnder Sprachkenntnis nicht lesen kann.
Wusstest Du, das Medikamente experimentell entwickelt werden? Dass man irgend welchen Kreaturen irgend welche Substanzen verabreicht und beobachtet, ob der gewünschte Effekt eintritt? Dass man dabei zufälligi andere geschäftsbringende Wirkungen entdeckt? Das ist wissenschaftlich! Aber über 5000 Jahre Erfahrung, von denen 2200 wissenschaftliche dokumentiert sind, das ist nicht wissenschaftlich. Denn da es die westliche ‘Hochkultur’ erst seit nicht einmal 1000 Jahren gibt, ist alles was älter ist nicht wissenschaftlich.
Ein weiteres Beispiel dafür, was Wissenschaft im Westen ist:
“Good Calories, Bad Calories”: http://www.cbc.ca/quirks/archives/07-08/nov17.html
Die genannten Forscher sind allesamt Wissenschaftler. Aber Menschen sterben daran, Menschen leiden darunter. Und mein Punkt (vielleicht konnte ich das inzwischen klar machen) ist das Ergebnis des Handelns. Meine Idee von Wissenschaft ist, das sie dem Menschen nützen soll. Mindestens aber nicht schaden, vielleicht sogar helfen. Die falschen Dinge zu untersuchen, die Realität zu ignorieren, Grabenkämpfe und religöse Auseinandersetzungen helfen dabei nicht.
Solange die oben besprochenen Themen nicht ernsthaft von Wissenschaftlern untersucht werden, werden sie immer die Spielwiese für Scharltane, Geschäftemacher und Kriminelle bleiben. Und mit Thema meine ich nicht, die Existenz von Erdstrahlen zu beweisen oder zu widerlegen. Mit Themen meine ich, die Ergebnisse zu untersuchen und die (tatsächlichen?) Ursachen für das Erreichen der Ziele zu ergründen und nutzbar zu machen. Sei es FengShui, Wünschelrutengang, Homöopathie oder was immer die Parawissenschaft zu bieten hat.