
Ist Zensur das einzige Argument?
1. Februar 2008In der TAZ läßt Heide Oestreich verschiedene Vertreter von Glaubensrichtungen und religiösen Organisationen sowie Pädagogen zu Wort kommen.
Es entsteht dabei – zu meiner großen Enttäuschung – der Eindruck, dass der Artikel dabei relativ einseitig den Gegnern und Zensurbefürwortern eine Plattform bietet. Ich hatte von der TAZ eigentlich etwas Anderes erwartet.
Der Skepticker gibt einen kleinen Überblick in einem Presseecho und geht auch auf die teils abgedroschenen Argumente der religiösen Zensoren ein.
Es ist ausgesprochen traurig, dass man in Deutschland offenbar nicht in der Lage ist, mit solcher Religionskritik umzugehen, ohne das Wort Indizierung (was faktisch einem Verbot gleichkommt) in den Mund zu nehmen.
Mein lieblingssatz aus dem Artikel:
“Auf jeden Fall ist das Buch gefährlich und gehört daher indiziert”, sagt Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats”

Gefährlich? Gefährlich für wen? Das Kinder ausnahmsweise nicht die Variante “Christentum-Light” (MSS), hier mal auf alle drei genannten Religionen projeziert, serviert bekommen, in der die nur die “netten” Seiten gezeigt werden, die dunkle, aber dennoch grundlegende Seite der Schrift geflissendlich verschwiegen wird.
Die Reaktion von Ferkel und Igel auf auf den gekreuzigten Jesus sind, für uns ungewohnt, eigentlich die normale Reaktion auf ein solch grausames Bild. Durch unsere* Gewöhnung, die meist mit frühkindlicher Religionserziehung entstanden ist, fällt es uns kaum noch auf.

Natürlich ist das gefährlich. Es produziert dann nämlich keine Menschen, die der Religion ihrer Kindheit irrational und unkritisch gegenüber stehen. Das sind dann wahrscheinlich die Menschen, die nicht auf Oberhirten hören und ihre Ethik nicht auf ein Buch aus der Eisenzeit gründen. Es kann auch schliesslich nicht angehen, dass ein Mensch “glücklich ohne Gott” sein kann.
Das der Vorwurf des Antisemitismus nur eine Folge einer höchst selektiven Wahrnehmung ist, ist allzu offensichtlich. Ich hoffe, dass das bei der Verhandlung am 6. März auch deutlich wird.
* Mit unsere, bezeichne ich an dieser Stelle mal die meisten Deutschen Christen, die in einem gemäßigt-religiösen Umfeld aufgewachsen sind. Ob wirklich gläubig oder nicht, ist dabei eigentlich egal. Die Gewöhnung ist trotzdem da.
Bilder: Ferkelbuch.de





Ich finde die “Argumente” dieser “Religionsgemeinschaften und [...] Pädagogen” … seltsam.
Wenn ein Rabbi dargestellt wird, wie er sich mit einem Priester und einem Imam prügelt, ist das also antisemitisch. Und was ist das in Bezug auf den Priester und den Imam? Antichristlich und antimuslimisch? Also insgesamt AntiAntiAnti?
Wenn man mit hübschen Bildern auch die Schattenseiten der drei Buchreligionen darstellt, ist das Antireligionshetze, aha. Und was ist das, wenn man mit hässlicher Polemik über eine religiöse Minderheit im eigenen Land herzieht? Trägt das nicht dazu bei, “Feindseligkeit gegenüber religiösen Gruppen” zu schüren? Und ist das nicht weit eher Ausdruck von “Hass”, als wenn ein sich Kinderbuchautor über die unbestreitbaren Differenzen der drei Religionen lustig macht?
Im Grunde liefern diese Leute selbst die besten Argumente, warum ein solches Buch nicht verboten werden darf. Offenbar ist ihnen ihr Religionsunterricht nicht gut bekommen, sonst würden sie nicht so eine dümmliche Kritik üben. Der Religion, die sie damit gegen “Verspottung” zu verteidigen glauben, stellen sie jedenfalls ein Armutszeugnis aus.