h1

Nicht erwünscht.

4. Februar 2008

Das Internet ist für viele sicherlich der Inbegriff der medialen Freiheit und der Möglichkeit, dass jeder Mensch* vielen anderen Menschen seine Meinung, Befindlichkeit oder Persönlichkeit näher bringen kann.

Diese Ansicht ist bestimmt nicht falsch. Mit der Tatsache, dass Du hier gerade diesen Satz liest, hat es sich für mich ja bereits bestätigt. :-)
Darüber darf man aber nicht vergessen, dass es offensichtlich in den großen Weiten des Internet und seiner sozialen Netzwerke offenbar nicht überall so ist.

de.Wikipedia.org – Schlachtfeld des Glaubenskrieges?

Ich bin seit einigen Jahren in der deutschen Wikipedia als mehr oder weniger aktiver Autor und Mitarbeiter an vielen verschiedenen Artikeln beteiligt. Meist handelte es sich um Dinge aus den Bereichen Feuerwehr, Medizin und Naturwissenschaft.

Leider kommt es dort immer wieder zu Vorfällen, die mir zu denken geben. Einer davon, die Löschdiskussion über den Wikipedia-Artikel zu „Humanistischer Pressedienst“, war für mich sinnbildlich dafür, wie stark gegen atheistische/agnostische/humanistische Organisationen gekämpft wird. Tyron hat bereits 2006 darüber berichtet. Ich finde, er fasst die Situation ganz gut zusammen. Hier wird durch gezielte Desinformation und Verleumdung versucht, die Bekanntheit zu schmälern bzw. Informationsbeschaffung zu den Organisationen oder Personen (s. Diskussion zu MSS) zu erschweren.

Auch seitens des betroffenen HPD nimmt man zu den Vorfällen Stellung.

Sieht man sich die Tendenzen an, war das Projekt „Athpedia“ nur eine logische Folge des Ganzen. Darüber hinaus gibt es noch eine große Zahl Wikis, die u.a. auch von der religiösen Seite aufgestellt wurden, weil ihnen selbst Wikipedia nicht heilig genug war.

Web 2.0 mit Heiligenschein

Auch in den modernen Web2.0-Netzwerken, die in den letzten Jahren Millionen von Benutzern an sich binden konnten und – das muss man einfach zugeben – interessante und nützliche Kommunikationsmöglichkeiten bieten, sind erklärt atheistische und besonders religionskritische Gruppierungen nicht selten . Hier sei Inbesondere MySpace.com und StudiVZ (die deutsche Version von Facebook zu nennen).

[Kleine Randinfo: Aus letzterem kann ich berichten, dass der Hype des Jahres 2006 sich zu einem Chaos in 2007 entwickelt hatte, als es um die Änderung der AGB und Datenschutzerklärung ging. Das aber nur am Rande. Wer das noch nicht mitbekommen hat, kann sich z.B. bei Realit2, Trizblog, Kaltstart oder Sandra in the Sky informieren. Falls das nicht reicht, gibts noch Google...]

Ich meiner sehr aktiven Zeit im StudiVZ war ich auch in den atheistischen Gruppen als Leser und Schreiber aktiv und musste mehrfach feststellen, dass die Betreiber bei Beschwerden von religiösen Menschen („ich fühle mich durch diese Gruppe in meinem Glauben verletzt“) relativ unkritsch mit Löschung drohten, sollte man nicht sein Gruppelogo ändern/Gruppennamen ändern, usw. Ob das jetzt immer noch so ist, kann ich mangels Aktivität nicht bestätigen.

Wie man heute beim Humanistischen Pressedienst lesen durfte, scheint eine solche Tendenz auch im ungleich größeren Dienst MySpace.com durchaus vorhanden zu sein. Es überrascht mich eigentlich gar nicht.

Die Autoren Timothy Johnston / Fiona Lorenz berichten:

Pesta ist Gründer der vor dreieinhalb Jahren ins Leben gerufenen MySpace-Gruppe „Atheist and Agnostic Group“, der mit 35.000 Mitgliedern größten Online-Gemeinschaft dieser Art. Als im November 2007 ein Hacker mithilfe der Phishing-Methode in Besitz seines Passwortes kam, die Gruppe zu ‘Jesus is Love’ umbenannte und begann, Mitglieder unwiderruflich aus der Gruppe zu verbannen, fühlte sich Pesta gezwungen, seinen Account zu löschen, bevor der Hacker noch mehr Schaden in seinem Namen anrichten würde.

Zwar geht Pesta nicht davon aus, dass die Administratoren von MySpace persönlich etwas mit dem Vorfall zu tun haben, jedoch zeugt ihr Verhalten nach dem Hacker-Angriff dann doch von akuter Leistungsverweigerung. „Sie weigerten sich, trotz wochenlanger Bitten an den Kundenservice und einer Petition, die von 500 Gruppenmitgliedern unterzeichnet wurde, mein Profil wiederherzustellen und den gesperrten Gruppenmitgliedern den Zugriff auf Ihre Diskussionsplattform zu ermöglichen“ berichtet er in seinem Blog.

Die Begründung der Betreiber, dass die Wiederherstellung von gelöschten Gruppe nicht möglich sei, ist in sofern interessant, als das genau dieses Vorgehen bei einem ähnlichen Fall der größten Christengruppe vom MySpace-Gründer persönlich offenbar kein Problem darstellte.

Erwähnt werden sollte hierbei auch, dass die „atheist&agnostic-group“ bereits mehrfach auf Betreiben christlicher MySpace-Nutzer gelöscht wurde. Diese tragen u.a. den bezeichnenden Namen „Christian Crusaders“ (dt. christliche Kreuzritter)

UPDATE: Wie man der MySpace-Seite von Bryan J. Pesta entnehmen kann, wurde die Gruppe wohl wieder hergestellt. Die gebannte Benutzer haben aber scheinbar immer noch keinen Zugriff.

UPDATE2: Bei den Brights hat man das Thema auch aufgegriffen.

Bild und Textausschnitte: HPD-Online

* auch wenn es leider viele Länder gibt, wo das Internet verboten oder zensiert bzw. kritische Äußerungen bestraft werden. Leider entwickeln sich auch Länder wie Deutschland immer mehr in diese Richtung…

Kommentar schreiben