
Zensur im Namen des Jugendschutzes – Es geht weiter…
12. Februar 2008Heise News berichtete gestern über die Forderungen einiger “Kinderschutzverbände”, illegale oder jugendgefährdende Inhalte im Internet, “notfalls mit Sperrungsverfügungen” zu blockieren.
Politik und Wirtschaft sollten nun die gesetzlichen Grundlagen für Netzfilter schaffen und die “Durchleitung illegaler Inhalte notfalls per Sperrungsverfügung” verhindern. Die Verbände haben ihre Begehrlichkeiten auf die DSL-Anbieter konzentriert, denen sie mangelndes Verantwortungsbewusstsein vorwerfen. Kein Gesetz zwinge die Provider, illegale Inhalte durchzulassen, dennoch “seien diese insbesondere in Tauschbörsen beliebig verfügbar”.
Das offenbart so einiges: Zum einen ein völlig verqueres Verständnis von Medien und der Zensur, zum anderen die offensichtliche Unfähigkeit der Eltern, selbst mit Internet & Co. umzugehen. Denn deren Aufgabe ist es, die Kinder zu medial-mündigen Bürger zu erziehen…
Es kann doch nicht sein, dass jetzt alle Nutzer des Internets und der Tauschbörsen auf Inhalte verzichten müssen, weil einige Bettnässer nicht in der Lage sind, selbst für die Sicherheit ihrer Kinder zu sorgen. Es ist nicht Aufgabe der Provider, die Inhalte zu filtern, es ist die Aufgabe des mündigen Bürgers, sich seine Inhalte selbst auszuwählen.
Der Hinweis auf die Tauschbörsen ist in meinen Augen besonders interessant:
Andere Verbände schließen sich der Kritik an und fordern effektive Sofortmaßnahmen. Anlässlich des Safer Internet Day sprechen sich unter anderem der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sowie der Interessenverband des Video- und Medienfachhandels Deutschland (IVD) und der Bundesverband der Dienstleistungswirtschaft (BDWI) für einen effektiveren Jugendschutz und die Bekämpfung illegaler Inhalte im Netz aus. “Frei verfügbare Pornografie, Gewaltfilme und Raubkopien” hätten längst “Besorgnis erregende Ausmaße” angenommen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung (PDF-Datei) der Verbände mit dem Bundeselternrat und dem Deutschen Familienverband.
Also daher weht der Wind. Hier wird offenbar unter dem äußerst beliebten Deckmantel des Jugendschutzes eine weitere Kampagne gegen die Tauschbörsen (und Portale wie z.B. youporn.com) gefahren. Da man offensichtlich über die legalen Mittel nicht gegen die internationale Übermacht ankommt, wird jetzt versucht, den deutschen Markt von diesen Netzwerken abzuschneiden.
Der Autor des Heise-Artikels sieht das glücklicherweise ähnlich:
Zumindest den beteiligten Wirtschaftsverbänden sind solcherart ökonomische Motive allerdings nicht wesensfremd. Der BDWI und der in ihm organisierte IVD vertreten unter dem Banner des Jugendschutzes auch die Interessen ihrer Mitglieder. Medienhandel und Videotheken leiden unter der illegalen Verbreitung geschützter Inhalte im Netz und müssen angesichts wachsenden Interesses an digitalen Vermarktungsmöglichkeiten um ihren Platz in der Verwertungskette kämpfen.
Hier ist es an der Politik, diesen lächerlichen Zensurversuchen entgegen zu gehen. Leider habe ich meine Befürchtung, dass dies bei den jetzigen Volksvertretern aller Parteien eher nicht der Fall sein wird.
Die Frage ist nur: Wo fängt das an und wo hört das auf? Mit diesen Begründungen können wir uns bald auf chinesische Verhältnisse gefasst machen, bei denen uns nur noch das “zugemutet” werden kann, was vorher durch staatliche (oder anderweitige) Stellen für gut befunden wurde. Hurra!




