
Wissenschaftstfeindlichkeit und Politik
24. Mai 2008Tobias von weitergen berichtet über das Thema der allgemeinen Wissenschaftsfeindlichkeit. Dabei ist der Bereich der Forschung mit embryonalen Stammzellen sicherlich der aktuellste.
Bei der Aufschlüssellung der Stimmen der Abgeordneten, die im Bundestag über die aktuell gültige Stichtagsregelung entschieden haben, hatten die GRÜNEN mit nahezu 100% Ablehnung das eindeutigste Ergebnis aller Fraktionen.
Nun hat Tobias das zum Anlass genommen, mal genauer nachzufragen. Erfreulicherweise hat der Arzt und Abgeordnete Dr. Terpe auf die Anfrage reagiert und bei Abgeordnetenwatch Stellung dazu genommen. Das muss man sogar lobend erwähnen!
Die komplette Antwort kann man hier nachlesen.
Ich will hier nur einige wenige Aussagen zitieren:
Dr. Terpe:
In den vergangenen Jahren wurden von Seiten der Stammzellforscher immer wieder die verständlichen Hoffnungen von Patienten genährt, mithilfe der embryonalen Stammzellforschung könnten Therapien gegen schwere oder bislang unheilbare Krankheiten entwickelt werden. Keine dieser Hoffnungen hat sich – auch in Ländern mit weniger restriktiven Gesetzen – bislang auch nur im Ansatz bestätigt: Die Wissenschaft befindet sich immer noch im Stadium der Grundlagenforschung. Es gibt keine klinischen Studien oder gar zugelassene Therapieverfahren, die auf embryonaler Stammzellforschung basieren.
Wie ich bereits in den Kommentaren auf „weitergen“ schrieb, steckt die Forschung noch in den Anfängen. Erst seit etwa 2002 (siehe Grafik auf weitergen) wird verstärkt an diesem Gebiet gearbeitet. Man kann doch nicht ernsthaft erwarten, dass „mal eben“ ein neues Forschungsfeld eröffnet und kurz darauf DAS Medikament zur Zulassungsreife gebracht wird. Genau das sollte er als Arzt aber auch wissen.
Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie man mit der Aussage zur Grundlagenforschung umgehen soll. Hier bedeutet ein „immer noch im Stadium der Grundlagenforschung“ die Vorstellung, dass diese Phase irgendwann zugunsten einer Produktions- oder Anwendungsphase eingestellt wird. Das ist sicherlich nicht der Fall. Grundlagen- und anwendungsbezogene Forschung kann nur Hand in Hand gehen.
Nun ist es ja so, dass Herr Dr. Terpe Dinge wie reprogrammierte und adulte Stammzellen in der Forschung vorzieht.
Aus meiner Sicht ist der adulten Stammzellforschung und der Forschung an reprogrammierten Stammzellen der Vorrang einzuräumen. Hier gibt es erfolgversprechende und ethisch unbedenkliche Ansätze. Anders als bei der embryonalen Stammzellforschung werden adulte Stammzellen bereits teilweise international in klinischen Verfahren zur Behandlung von Herzinfarkten oder Leukämie eingesetzt.
Diese Therapieverfahren wurden ohne die Hilfe der embryonalen Stammzellforschung entwickelt.
Diese Aussage entbehrt nicht gerade einer gewissen Ironie. Gerade die Thematik der reprogrammierten Stammzellen macht den Vergleich mit ESZ unbedingt nötig, da nur so klar werden kann, in wie fern diese Zellen tatsächlich ESZ entsprechen und wie diese funktionieren.
Und genau diese Forschung an ESZ machte die Entdeckung dieser Reprogrammierung möglich. Der Umkehrschluss, dass jetzt die bisherige Forschung jetzt nicht mehr nötig ist, entspricht leider nicht der Realität.
Und da es bei „Stammzellgegnern“ nunmal nicht ohne „Lug und Trug“ geht, wird natürlich nochmal die große Keule geschwungen. Schade, denn ich hatte mich schon über einen halbwegs vernünftigen und diskutablen Artikel gefreut:
Ich möchte Sie zudem darauf hinweisen, dass die Entstehung von Embryonen zumeist mit einer erheblichen körperlichen Belastung und manchmal mit Krankheit und Tod für die Frauen einhergeht, die die verwendeten Eizellen gespendet haben.
Halten wir mal kurz fest (nur damit wir ganz klar sehen, worum es geht!): Frauen lassen sich hormonell und gynäkologisch behandeln, damit sie (entgegen evtl. vorhandener biologischer Schwierigkeiten) schwanger werden. (IVF) Das ist sicherlich ein mühsames und auch teures Unterfangen, welches auch (wie jede Behandlung) seine Risiken beinhaltet. Befruchtung und Schwangerschaft an sich mit diesen Dingen so in Verbindung zu bringen ist dabei schon recht merkwürdig.
Durch eine Erweiterung der Forschung würden insbesondere sozial benachteiligte Frauen durch finanzielle Anreize dazu motiviert, sich solch gravieren Gesundheitsgefahren auszusetzen. Dies ist für mich als Arzt nicht zu verantworten.
Dieser Satz ist reinste Propaganda, die nicht im Geringsten der Wirklichkeit der meisten Länder, insbesondere Deutschland entspricht.
ESZ werden NICHT für den Zweck der Forschung erzeugt, sondern sind Überbleibsel der oben kurz beschriebenen IVF. Die IVF ist für die Paare eine richtig teure Angelegenheit, sodass hier die Spender keinen finanziellen Vorteil genießen. Ganz im Gegenteil.
Das hier natürlich die bööööse Wissenschaft („Evil Scientist“) die armen Menschen ausbeutet, ist die übliche Art und Weise, wie viele der Gegner die Diskussion führen wollen.




