
Was ist Soziologie? Wie präsentiert sich die Wissenschaft?
12. Juli 2008Seit meiner Schulzeit (SoWi-LK, langlang ist es her…) habe ich mich nicht mehr besonders intensiv mit Sozialwissenschaften auseinander gesetzt. Da es aber zweifellos eine interessante wissenschaftliche Disziplin ist, die auch entscheidenden Einfluss auf die Naturwissenschaft haben kann, ist es an dieser Stelle garantiert OnTopic.
Nun habe ich heute zufällig über das Wissenschafts-Café das Blog „homo sociologicus“ entdeckt. Dort findet sich eine Präsentation des Grant MacEwan College in Edmonton, Alberta, Canada. Dieses Video ist wirklich gut gemacht und erklärt die Struktur und Forschung dieses Colleges sowie die Themenbereiche der Soziologie im Allgemeinen.
Meine Frage: Kennt jemand eine vergleichbare Präsentation einer naturwissenschaftlichen Fakultät in Deutschland oder gern auch international? Das wäre sehr interessant.
Da ich persönlich keine kenne, frage ich mich, warum das so ist.
„Wir“ beklagen uns doch ständig darüber, dass die Bevölkerung keine Ahnung hat, was wir tun oder das wir falsch dargestellt werden.
Im gleichen Atemzug sind viele Institutshomepages eine ergonomische Katastrophe, weil man – wenn man schon selbst nicht das knowhow hat – zu geizig oder zu bequem ist, jemanden für die Gestaltung zu bezahlen. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass eine gute Präsentation in der Öffentlichkeit (sowohl durch Webangebote als auch durch solche Videos) entscheidenden Einfluss auf das Ansehen und die Unterstützung hat. Damit habe ich elegant den Bogen zur Soziologie gespannt, die auch der Naturwissenschaft ihre Dienste leisten könnte.
Wie seht ihr das?
[via Wissenschafts-Cafe und homo sociologicus]





Ich denke du musst den Bogen noch weiter spannen, zur Psychologie nämlich, die erforscht nämlich Erleben und Verhalten von Menschen und damit auch solche Sachen wie Stress durch unergonomische Lösungen. Generell ist es aber so, dass nahezu jede Wissenschaft, einem anderen Wissenschaftsbereich dienlich sein kann. Was die Auftritte der Fakultäten angeht,als auch die mediale Gestaltung kann ich das nur unterstützen. Aber das ist halt ein generelles Problem der deutschen Universitäten, generell sind sie primär Forschungseinrichtungen und sekundär Bildungseinrichtungen, das wurde in den USA übrigens um längen besser gelöst. Dort gibt es nämlich Bildungsprofessuren die nur und ausschließlich für Lehre angestellt sind. In Deutschland ist es hingegen für die eigene Karriere dienlicher, wenn man die Lehre weitestgehend vernachlässigt und sich mehr der Forschung beschäftigt.
Hallo Sceptik,
Gerade habe ich mir ein paar Videos von den Last Night of the Proms angeschaut. Das alljährliche letzte der Promenadenkonzerte in der Royal Albert Hall in London ist eine nationale Institution in Großbritannien und ein gelungener Versuch, klassische Musik an die Massen zu bringen, mit Public Viewing in mehreren Städten und Fußball-Athmosphäre in der Halle (z.B. http://www.youtube.com/watch?v=ufuW3-f_Vp0&feature=related – interessant v.a. ab 4:15min)
Dies zeigt meiner Meinung nach dasselbe Phänomen wie in dem obigen Video oder auch in der Tatsache, dass anglo-amerkanische Autoren in der Regel (mit einigen unrühmlichen Ausnahmen) versuchen, ihre Gedanken auch zugänglich zu machen und verständlich zu schreiben (gerade bei uns in der Soziologie gibt es hier massive Unterschiede
.
Woher kommts? (und wie schreibe ich das jetzt am besten ohne nationale Stereotypen zu reproduzieren?). Es wäre auf jeden Fall zu kurz gegriffen, das Phänomen auf ein stärkeres Konkurrenzdenken zurückzuführen. Vielmehr entdecke ich immer wieder einen entscheidenden kulturellen Unterschied der Briten und Amerikaner zum Rest der Welt.
Dieser besteht in einer starken Bezogenheit der Menschen auf die Anderen. D.h. es gehört zum guten Ton, sich selbst auch mal aus der Sicht der Anderen zu betrachten und sich Gedanken darüber zu machen, wie man denn so rüberkommt. Dies mag in kontinentaleuropäischen Ohren Assoziationen der Oberflächlichkeit (Schein vor Sein) oder der Schüchternheit (die Angst, was denn die Anderen über mich denken) hervorrufen. Wer sich jedoch in entsprechenden Kreisen bewegt, weiss, dass dies keineswegs der Fall ist.
Ich denke also hinter den genannten Erscheinungsformen steckt diese Betonung der Erscheinung (zusätzlich zur Substanz) und – etwas tiefer betrachtet – der große Wert der Kommunikation, den Engländer, Amerikaner, Kanadier etc. von Kindesbeinen an lernen. Wie kommuniziere ich meinen Gegenstand, so dass er verständlich und ansprechend ist? Hierzu gehört etwa auch die Debatten- und Rethorikkultur Großbritanniens, oder die Musik- und Filmindustrie dieser Länder, die in der globalisierten Welt nicht weniger als eine absolute Weltherrschaft konstituieren.
In Deutschland herrscht wahrscheinlich eher die Tendenz, sich auf die „eigentliche Sache“ zu konzentrieren und alles andere (z.B die Institutshomepage) als Nebensächlichkeit abzutun. Dennoch glaube ich, auch hier neue Entwicklungen und eine Amerikanisierung feststellen zu können. Und zum Glück gibt es ja Vorreiter wie uns, die mit wissenschaftlichen Blogs die Kommunikation zur breiten Öffentlichkeit verbessern
[...] ja auch religiöse Züge trägt. [↩]Ich habe das Video bei Martin gefunden und auch Stefan hat es inzwischen kommentiert. [...]
Ich stimme Martin zu: Die starke Konzentration auf „das Wesentliche“ (also die eigene Disziplin) hierzulande verhindert in bestimmten Maße die positive Außenwirkung und Darstellung von Disziplinen. Vor einigen Jahren habe ich mal einen Bericht über eine deutsche Uni gelesen (ich weiß nicht mehr um die genauen Details), dessen Statistik-Fachbereich sich auf den Kopf gestellt hat, um positiv für sich zu werben: Es wurde gar eine Namensänderung angestrebt, um die „abschreckende“ Wirkung der Bezeichnung Statistik zu mildern.
Ich denke allerdings, dass in vielen Bereichen schon einiges getan wird, um die interessierte Öffentlichkeit zu informieren und Transparenz darüber zu schaffen, was so im Elfenbeinturm geschieht: Die Ruhr-Uni Bochum hat in jedem Semester öffentliche Vortragsreihen (ich erinnere mich da z.B. an die Saturday Morning Physics). Viele andere Unis haben ähnliche Veranstaltungen im Programm. Ich könnte mir vorstellen, dass es hier häufig nicht zum Selbstverständnis der Forschenden gehört, auch mit – mal einfach ausgedrück – dem normalen Steuerzahler ins Gespräch zu kommen. Da sind die Berührungsängste – auf allen Seiten – noch sehr groß. Außerdem sehe ich, dass die Unis nur sehr langsam ihre PR professionalisieren (dazu zähle ich mal auch Webpräsenzen, die Informationspolitik gegenüber der Öffentlichkeit etc.) und über die genuinen Interessengruppen hinaus Menschen & Zielgruppen ansprechen, die eben nicht unmittelbar mit der Akademie zu tun haben (werden), um ihre Forschung und deren Relevanz bekannt zu machen.
In diesem Zusammenhang halte ich bloggende WissenschaftlerInnen oder präsente ExpertInnen in Tagesmedien (über die handvoll, die sowieso immer präsent sind hinaus) bei adäquater Vermittlung von Inhalten, für ein gutes Mittel, um zusätzliche Zielgruppen zu informieren.