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Hormonelle Therapie bei Prostatakarzinom

13. Juli 2008

ResearchBlogging.org. Es gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen von Männern und spielt dadurch auch in den Gesundheitssystem der Industrielänger eine wichtige Rolle.

Zur Therapie dieser Erkrankungen gibt es mehrere Möglichkeiten, die zwischen Abwarten und Kontrollieren, chirurgischem Eingriff, Bestrahlung und Hormontherapie (PADT) variieren.

Wie Bert Ehgartner und Marc von der Wissenswerkstatt bereits schrieben, war bisher die Meinung unter Fachleuten bzgl. der Homontherapie sehr gespalten. Aufgrund der Tatsache, dass diese Form der Therapie als sanft gilt und angeblich ein sehr positives Outcome (hier: verlängertes Leben trotz dieser Erkrankung) vieler Patienten zur Folge hat, ist sie insbesondere in den USA sehr verbreitet.

Although not standard or sanctioned by major groups or guidelines, an increasing number of inicians and patients have turned to primary androgen deprivation therapy (PADT) as an alternative to surgery, radiation, or conservative management, especially among older men.
For example, in a 1999-2001 survey, PADT had become the second most common treatment approach, after surgery, for localized prostate cancer.

Dies hat natürlich zur Folge, dass dieser Bereich der Pharmaindustrie boomt und der Verkauf und Anwendung dieser Medikamente einen enormen Anteil der Gesundheitskosten ausmacht.

Die Datenlage war bisher sehr schlecht, sodass keine gesichterten Erkenntnisse über den tatsächlichen Nutzen vorlagen. Eine aktuelle Studie von Grace L. Lu-Yao; Peter C. Albertsen; Dirk F. Moore; et al. im „Journal of the american medical association“ hat Erkrankte Männer, bei denen in den Jahre 1992 bis 2002 ein Prostatakarzinom festgestellt wurde im Rahmen einer Studie untersucht. Dabei wurden die verschiedenen Methoden hinsichtlich der Lebenserwartung verglichen. 19271 Männer [1] nahmen an der Studie teil, wovon 41% mittels PADT therapiert wurden.

Die Ergenisse wurden folgendermaßen zusammengefaßt:

Results Among patients with localized prostate cancer (median age, 77 years), 7867
(41%) received PADT, and 11 404 were treated with conservative management, not
including PADT. During the follow-up period, there were 1560 prostate cancer deaths
and 11 045 deaths from all causes. Primary androgen deprivation therapy was associated
with lower 10-year prostate cancer–specific survival (80.1% vs 82.6%; hazard
ratio [HR], 1.17; 95% confidence interval [CI], 1.03-1.33) and no increase in 10-year
overall survival (30.2% vs 30.3%; HR, 1.00; 95% CI, 0.96-1.05) compared with conservative
management. However, in a prespecified subset analysis, PADT use in men
with poorly differentiated cancer was associated with improved prostate cancer–
specific survival
(59.8% vs 54.3%; HR, 0.84; 95% CI, 0.70-1.00; P=.049) but not
overall survival
(17.3% vs 15.3%; HR, 0.92; 95% CI, 0.84-1.01).

Innerhalb dieser Studie war nur bei etwa 8% (!) der Verstorbenen Patienten der Krebs die entscheidende Todesursache. Das erscheint jedoch logisch, wenn man das Alter der Patienten betrachtet. Als Problem stellt sich dann jedoch dar, dass diese Tatsache möglicherweise starken Einfluss auf die Ergebnisse haben. Da der absolute Großteil der Patienten möglicherweise an anderen Ursachen verstarben, fallen sie aus der Menge der Untersuchten faktisch raus.

Nimmt man die übrige Datenmenge als Maßstab, dann deutet alles darauf hin, dass man mit der Hormontherapie PADT offenbar keine Verbesserung des Outcomes erreicht. Selbst die Überlebensrate, ausschliesslich auf den Krebs bezogen, scheint in diesem Fall nur minimal erhöht zu sein. Im Allgemeinen ist sogar eine Verschlechterung, verglichen mit der konservative Behandlung, zu befürchten.

Als Fazit kann man sicherlich die Wirksamkeit der hormonellen Therapie in Frage stellen.

Fakt scheint jedoch zu sein, dass ein Vergleich zwischen „wir machen nichts“ und der hormonellen Therapie keine großen Unterschiede gezeigt haben, was gegen letztere spricht.

Marc (Wissenswerkstatt) äußerte bereits die Befürchtung, dass es für die Pharmaindustrie, der dieser Arbeitsbereich Milliardeneinnahmen beschert, keine gute Nachricht ist. Mal sehen, wie lange es dauert, bis eine andere Studie das Thema ganz anders bewertet.

[1] Urpsrünglich waren 89877 Männer in der Datenmenge dieser Studie, die jedoch anhang gewisser Parameter aus der Betrachtung herausgenommen wurden.
Grace L. Lu-Yao, MPH, PhD; Peter C. Albertsen, MD; Dirk F. Moore, PhD; Weichung Shih, PhD; Yong Lin, PhD; Robert S. DiPaola, MD; Siu-Long Yao, MD (2008). Survival Following Primary Androgen Deprivation Therapy Among Men With Localized Prostate Cancer JAMA, 300 (No 2), 173-181

Ein Kommentar

  1. thanks for the interesting post!
    I bookmarked your page and revisit it now regularly!

    Thanks and have a nice day!
    Marc



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